P2P-Kredite: Meine Erfahrungen seit 2022 – Rendite & Ausfälle

Seit April 2022 investiere ich in P2P-Kredite, inzwischen auf vier Plattformen: Mintos, Peerberry, Swaper und Go & Grow (ehemals Bondora). Hier steht alles, was ich in dieser Zeit gelernt habe – mit meinen echten Zahlen, mit dem Ausfall, der mich gerade selbst betrifft, und mit den Regeln, nach denen ich entscheide, wie viel Geld wohin fließt. Die Seite ersetzt meine beiden früheren Artikel zu den P2P-Grundlagen und zu meiner P2P-Strategie.

Kurz zusammengefasst (Stand: 30. September 2026)

  • Wie viel: Rund 26.300 € auf vier Plattformen, das sind knapp 14 % meines Portfolios. Mein Zielkorridor liegt bei 10–15 %.
  • Was es bringt: Meine reale Rendite liegt je Plattform zwischen 6,3 und 13,8 % pro Jahr. Bisher kamen rund 6.500 € Zinsen zusammen, 2026 im Schnitt knapp 196 € im Monat.
  • Was schiefging: Bei Mintos stecken 1.384,84 € in verzögerten Krediten, der größte Teil im Fall Nera Capital. Endgültig verloren habe ich bisher nichts – ob alles zurückkommt, ist offen.
  • Meine wichtigste Regel: Jede Plattform baue ich auf, bis sie mehr als 50 € Zinsen im Monat bringt. Ab dann ziehe ich jeden Monat 50 € ab und stecke sie in ETF-Sparpläne.
  • Mein Fazit: P2P ist für mich eine renditestarke Beimischung neben ETFs – kein Ersatz für ETFs und schon gar nicht für den Notgroschen.

So funktionieren P2P-Kredite

P2P steht für Peer-to-Peer: Statt einer Bank finanzieren viele Anleger gemeinsam Kredite und bekommen dafür Zinsen. Bei den Plattformen, die ich nutze, läuft das im Kern immer gleich ab:

  1. Ein Kreditgeber – im P2P-Jargon „Loan Originator“ – vergibt einen Kredit an eine Privatperson oder ein Unternehmen.
  2. Er stellt den Kredit auf die Plattform, um sich dort frisches Geld zu holen.
  3. Anleger wie ich kaufen Anteile daran, meist schon mit kleinen Beträgen.
  4. Der Kreditnehmer zahlt Zinsen und Tilgung, die anteilig an die Anleger fließen.
  5. Plattform und Kreditgeber verdienen an Gebühren und an der Zinsdifferenz.

Vier Begriffe begegnen dir dabei ständig:

  • Rückkaufgarantie (Buyback): Ist ein Kredit eine bestimmte Zeit überfällig – bei Peerberry 60 Tage –, kauft der Kreditgeber ihn zurück. Das klingt sicher, ist aber nur so gut wie der Kreditgeber selbst. Fällt der aus, greift die Garantie ins Leere. Genau das erlebe ich gerade bei Mintos.
  • Auto-Invest: Die Plattform investiert automatisch nach Kriterien, die du festlegst, etwa Zins, Laufzeit, Land oder Kreditgeber. Ich nutze das bei Mintos, Peerberry und Swaper. Go & Grow verteilt das Geld ohnehin selbst.
  • Zweitmarkt: Hier verkaufst du Kreditanteile vorzeitig an andere Anleger. Bei Mintos gibt es ihn schon lange, bei Peerberry erst seit dem 15. Januar 2026 und nur nach sechs Monaten Haltefrist. Je nach Kredit geht ein Verkauf nur mit Abschlag.
  • Reale Rendite (XIRR): Die Rendite, die ich tatsächlich erzielt habe – berechnet aus all meinen Ein- und Auszahlungen und dem aktuellen Wert. Sie ist ehrlicher als die Zielrendite, mit der die Plattformen werben.

Meine Zahlen (Stand: 30. September 2026)

Plattform Wert Anteil Rendite p.a.
Peerberry ~10.151 € gut 5 % 8,4 %
Mintos ~7.947 € gut 4 % 10,2 %
Swaper ~6.446 € knapp 3,5 % 13,8 %
Go & Grow ~1.800 € unter 1 % 6,3 %

Dabei bin ich seit April 2022 (Mintos, Go & Grow), seit September 2023 (Swaper) und seit Dezember 2024 (Peerberry). „Anteil“ bezieht sich auf mein gesamtes Portfolio, die Rendite ist der interne Zinsfuß (XIRR) aus meinen tatsächlichen Ein- und Auszahlungen, ausgewertet mit Portfolio Performance. Alle Einzahlungen, Entnahmen und Zinsen je Plattform stehen im Plattformvergleich, die Zinsen Monat für Monat auf meiner Seite P2P-Einnahmen.

Was die Zahlen zeigen:

  • Bei Mintos, Peerberry und Go & Grow liegt meine reale Rendite nah an dem, was die Plattformen als Zielrendite nennen. Swaper liegt vorn – passend zum höheren Risiko, denn dort kommen alle Kredite aus einer einzigen Gruppe.
  • Die Zinsen wachsen: 2025 kamen im Schnitt 178 € im Monat herein, 2026 bisher knapp 196 €. Der beste Monat war der August 2026 mit 207,39 €.
  • Bei Mintos sinkt die Rendite langsam, weil ein Teil meines Kapitals im Nera-Fall gerade gar nichts abwirft. Zielrenditen sind eben kein Versprechen.

Meine Regeln: wie viel P2P und wohin das Geld fließt

1. ETFs sind die Basis, P2P ist die Beimischung. Den Kern meines Vermögens bilden breit gestreute ETFs. P2P soll zusätzlichen Cashflow bringen, mit einem Zielkorridor von 10–15 % meines Gesamtportfolios. Aktuell sind es knapp 14 %, also der obere Rand. Wie alle Bausteine zusammenspielen, zeige ich unter Meine Strategie / Portfolio.

2. Je Plattform 2–5 %. So hängt nie zu viel an einem einzelnen Anbieter. Peerberry liegt mit gut 5 % gerade knapp darüber, und zwar bewusst: Im Juni 2026 habe ich rund 3.700 € von Go & Grow zu Peerberry umgeschichtet, um die 10.000-€-Schwelle zu überschreiten, ab der es bei Peerberry einen zusätzlichen Bonus gibt. Weil mein Gesamtportfolio weiter wächst und ich dort ab jetzt jeden Monat 50 € abziehe, rutscht Peerberry mittelfristig wieder unter 5 %.

3. Die 50-€-Regel. Eine Plattform baue ich zügig auf, bis sie mehr als 50 € Zinsen im Monat bringt. Ab dann ziehe ich jeden Monat 50 € ab und stecke sie in meine ETF-Sparpläne. Solange die Zinsen über 50 € liegen, schrumpft mein eingezahltes Kapital dadurch nicht – die Plattform wächst nur langsamer weiter, und das Geld stärkt meine anderen Bausteine. Bei Mintos und Swaper mache ich das seit Mitte 2024, bei Peerberry habe ich im Juli 2026 damit begonnen. Bei Mintos liegen die Zinsen durch den Nera-Fall gerade nur knapp um die 50 € (September 2026: 50,26 €). Käme eine fünfte Plattform dazu, würde ich sie genauso aufbauen: möglichst schnell über die 50 €, dann entnehmen.

4. Kein frisches Geld für Mintos. Solange die Rückholung bei Nera Capital läuft, lasse ich meine Mintos-Position stehen, zahle aber nichts mehr ein.

5. Go & Grow ist ein Parkplatz, kein Notgroschen. Dort liegt Geld, das ich gezielt umschichten will – im Juni 2026 etwa die 3.700 € für Peerberry. Als Notgroschen nutze ich Go & Grow bewusst nicht: Seit April 2026 hat die Go&Grow OÜ keine eigene Finanzlizenz, beaufsichtigt ist nur die Bondora AS als Kreditgeberin, und eine Einlagensicherung gibt es nicht.

6. Kein Verkaufen, um auf die Zielquote zu kommen. Ich verkaufe keine P2P-Anteile, nur weil der Anteil am oberen Rand liegt. Mein Portfolio wächst über die ETF-Sparpläne, und die monatlichen Entnahmen schieben den P2P-Anteil langsam Richtung 10 %.

Was schiefgehen kann – und was bei mir schiefging

Die Risiken sind keine Theorie. Diese sechs habe ich ständig im Blick:

  • Der Kreditgeber fällt aus. Dann hilft die Rückkaufgarantie nicht mehr. Mein eigenes Beispiel: Nera Capital bei Mintos, Details gleich unten.
  • Die Plattform fällt aus. Dann hängt alles an deren Abwicklung. Auch deshalb verteile ich mein P2P-Geld auf vier Plattformen.
  • Keine Einlagensicherung. Anders als Tagesgeld ist P2P-Geld nicht über die gesetzliche Einlagensicherung geschützt.
  • Das Geld hängt fest. Verzögerte Kredite zahlen oft monatelang nichts. Ein Verkauf auf dem Zweitmarkt würde die Verzögerung dann in einen echten Verlust verwandeln.
  • Regulierung. Nicht jede Plattform ist selbst beaufsichtigt: Mintos ist eine lizenzierte Investmentfirma in Lettland, Peerberry ist bislang nicht reguliert (der Antrag in Litauen läuft seit Herbst 2024), bei Go & Grow ist nur die Bondora AS als Kreditgeberin beaufsichtigt.
  • Klumpenrisiko. Bei Swaper kommen alle Kredite aus der Wandoo-Gruppe, bei Peerberry dominieren Aventus und GoFingo.

Der Nera-Capital-Fall: mein eigener Ausfall

Zum 30. September 2026 stecken bei mir 1.384,84 € in verzögerten Krediten bei Mintos, das sind 17,4 % meines Mintos-Bestands. Sie verteilen sich auf drei Fälle:

Fall Bei mir betroffen Stand
Nera Capital 1.080,18 € Seit April 2026 keine Zahlungen, Restrukturierung läuft, Mintos nennt 2028 als Zeithorizont
FintechFinance 146,37 € Rückzahlung läuft, 729,49 € (83 %) sind schon zurück
Planet42 158,29 € 54 % zurück, Mintos erwartet 75–100 %

Was ich daraus gelernt habe: Eine Rückkaufgarantie ist ein Versprechen des Kreditgebers, kein Schutz vor seinem Ausfall. Und die Positionsgröße entscheidet, wie weh so ein Fall tut. Die 1.384,84 € sind unangenehm, aber sie gefährden nichts, weil P2P bei mir eine begrenzte Beimischung ist und ich über vier Plattformen streue. Bei Peerberry und Swaper wurden verspätete Kredite bisher immer zurückgekauft, bei Peerberry teils erst nach Wochen.

Den laufenden Stand mit allen Hintergründen halte ich auf der Seite P2P-Einnahmen aktuell, die Einordnung der Plattform steht im Mintos-Erfahrungsbericht.

Was die Steuer daraus macht

P2P-Zinsen sind Kapitalerträge. Keine meiner vier Plattformen zieht deutsche Abgeltungsteuer ab, deshalb trage ich die Zinsen selbst in die Anlage KAP der Steuererklärung ein. In meinem Steuerbescheid für 2025 stehen dafür 2.190,66 € P2P-Zinsen. Wo genau ich sie eingetragen habe – und welchen Fehler in Zeile 19 mir das Finanzamt korrigiert hat –, zeige ich in P2P-Zinsen in der Steuererklärung. Ich bin kein Steuerberater, das ist meine eigene Erklärung und keine Beratung.

Für wen P2P passt – und für wen nicht

Eher passend, wenn du …

  • schon eine Basis aus ETFs und einen Notgroschen hast,
  • regelmäßige Zinsen als zusätzlichen Cashflow willst,
  • damit leben kannst, dass ein Teil des Geldes jahrelang festhängt.

Eher nicht passend, wenn du …

  • das Geld in den nächsten Jahren sicher brauchst,
  • eine Einlagensicherung erwartest,
  • keine Lust hast, Plattform-News und Investoren-Updates im Blick zu behalten.

Würde ich heute neu anfangen, würde ich klein starten (etwa 500–1.000 €), zwei Plattformen statt einer nehmen, den Auto-Invest eher vorsichtig einstellen und erst mehr investieren, wenn Zinsen und Rückkäufe ein paar Monate so laufen wie versprochen. Welche Plattform zu dir passt, hilft dir der Plattformvergleich zu entscheiden.

Häufige Fragen

Wie viel Prozent meines Portfolios sollte in P2P-Kredite fließen?

Das kann ich dir nicht vorgeben. Ich selbst halte mich an 10–15 % des Gesamtportfolios und 2–5 % je Plattform. Als Einsteiger würde ich deutlich darunter anfangen, bis ich ein Gefühl für Verzögerungen und Rückkäufe habe.

Welche Rendite ist mit P2P-Krediten realistisch?

Bei mir sind es zwischen 6,3 % (Go & Grow) und 13,8 % (Swaper) pro Jahr, gemessen als reale Rendite aus meinen Ein- und Auszahlungen. Die beworbenen Zielrenditen sind kein Versprechen: Bei Mintos sinkt meine reale Rendite gerade langsam, weil ein Teil des Kapitals im Nera-Fall nichts abwirft.

Sind P2P-Kredite sicher?

Nicht im Sinne von Tagesgeld. Es gibt keine Einlagensicherung, und die Rückkaufgarantie hilft nur, solange der Kreditgeber zahlen kann. Endgültig verloren habe ich bisher nichts, aber 1.384,84 € stecken gerade in der Rückholung.

Was passiert, wenn ein Kreditgeber ausfällt?

Die Plattform versucht, das Geld zurückzuholen, und das kann Jahre dauern – bei Nera Capital nennt Mintos 2028 als Zeithorizont. In dieser Zeit fließen keine Zinsen. Verkaufst du die Anteile auf dem Zweitmarkt, machst du aus der Verzögerung einen echten Verlust.

Wie werden P2P-Zinsen versteuert?

Als Kapitalerträge. Weil meine Plattformen keine deutsche Steuer abziehen, gehören die Zinsen in die Anlage KAP. Wie das konkret aussieht, zeige ich an meiner eigenen Erklärung im Artikel P2P-Zinsen in der Steuererklärung.

Komme ich jederzeit an mein Geld?

Bei Go & Grow ja, täglich – allerdings ohne Einlagensicherung. Bei Mintos und Peerberry nur über den Zweitmarkt, je nach Kredit mit Abschlag, bei Peerberry erst nach sechs Monaten Haltefrist. Bei Swaper laufen die Kredite kurz, Rückzahlungen kommen also laufend herein.

Weiterlesen

Keine Anlageberatung: Ich beschreibe hier, wie ich selbst investiere. P2P-Kredite sind riskant – bis hin zum Totalverlust.

Kein Angebot oder Anlageberatung

Die Inhalte auf dieser Website dienen ausschließlich zu Informations- und Bildungszwecken. Sie stellen keine Finanz-, Anlage- oder Steuerberatung im Sinne des Wertpapierhandelsgesetzes dar. Es wird keine Haftung für Investitionsentscheidungen übernommen, die auf Basis der Inhalte dieser Seite getroffen werden.

Risiko-Hinweis

Investitionen in Aktien, ETFs, Kryptowährungen, P2P-Kredite oder andere Finanzinstrumente sind mit Risiken verbunden. Ein Totalverlust des eingesetzten Kapitals kann nicht ausgeschlossen werden. Informiere dich gründlich und ziehe bei Bedarf eine professionelle Beratung hinzu, bevor du finanzielle Entscheidungen triffst.

Transparenz-Hinweis

Mit * gekennzeichnete Links sowie Empfehlungen mit dem Hinweis „Anzeige“ sind Affiliate-Links (Werbelinks). Wenn du über diese Links etwas kaufst oder dich anmeldest, erhalte ich eine Provision, ohne dass dir dadurch zusätzliche Kosten entstehen. Diese Provisionen helfen mir dabei, die Webseite zu betreiben und weiterhin kostenlose Inhalte anzubieten.

Bitte beachte: Die angegebenen Preise sind Momentaufnahmen und können sich seit der letzten Aktualisierung geändert haben. Es gilt der Preis auf der Seite des Anbieters zum Zeitpunkt des Kaufs.

Ich empfehle nur Produkte und Services, die ich selbst nutze bzw. gelesen habe. Meine Meinung wird nicht durch Affiliate-Partnerschaften beeinflusst.